RIAS BIG BAND BERLIN

1948-2004

1946

Februar 1946. Nur wenige Telefonleitungen sind nach dem Krieg noch in Betrieb, aber sie reichen dem kleinen Sender DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor), den überaus populären Swing durch Berlin zu tragen, der im Dritten Reich noch als „entartet” galt und nur unter Lebensgefahr bei den Feindsendern gehört werden konnte. Ein paar Monate später heißt der Sender bereits RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) und benutzt einen ausrangierten Truppensender für den Sendebetrieb. Das Programm hat Erfolg. Schon zwei Jahre später ist der Sender so groß, dass er die Gründung einer eigenen Big Band in Angriff nehmen kann.

1948

Offizielles Gründungsdatum des RIAS Tanzorchesters ist der 1. November 1948. Der junge Posaunist Werner Müller spielt noch in der Band des beliebten Swing-Experten Kurt Widmann, als ihn Programmdirektorin Ruth Gambke und der ehemalige Comedian Harmonist Harry Froman mit der Leitung des Orchesters betrauen. Müller gelingt es, etliche Musiker aus seiner alten Band für das neue Projekt zu begeistern, und so findet bereits am 24. April 1949 das erste öffentliche Konzert statt.

1958

Das Orchester hat mittlerweile über 2600 Aufnahmen gemacht, Filmmusik produziert , in Österreich, der Schweiz, Dänemark und Holland gespielt. Gerade kommt es von einem Auftritt in Japan zurück. Markenzeichen der Band ist das von 16 Streichern geprägte Klangspektrum - ein Sound, der als Swing mit viel String populär wurde.

Mitglieder wie der Pianist Eugen Cicero oder der Klarinettist Rolf Kühn starten im RTO ihre Weltkarrieren. Werner Müller bringt das Orchester mit nationalen und internationalen Stars zusammen, und Auftritte mit deutschen Künstlern wie Gerhard Wendland, Gitta Lind, Rita Paul oder Bully Buhlan werden vom Publikum ebenso gefeiert wie später Astrud Gilberto, Charles Aznavour, Juliette Greco oder Nancy Wilson. Mit Catarina Valente gelingen zwei Welthits: Malaguena und The Breeze and I. Und trotz allem Erfolg beim breiten Publikum bleibt Müller auch seinem Faible für anspruchsvollen Jazz treu und lässt innovativen Arrangeuren wie Helmut Brand bei Studiokonzerten freie Hand.

1970

Werner Müller hat seine erfolgreiche Zeit in Berlin vor vier Jahren beendet und ist zum WDR gegangen. Nach einem kurzen Intermezzo mit dem großartigen amerikanischen Komponisten und Arrangeur Dave Hildinger wird Helmut Brandenburg Chefdirigent des Orchesters. Unter dem Pseudonym Cookie Freeman erweitert er das Spektrum der Big Band beträchtlich und passt es der Höhe der Zeit an. Er benutzt neue elektronische Produktionstechniken und nimmt Beat und Rock ins Repertoire auf.

1975

Die Ära Horst Jankowski beginnt. Unter dem brillanten Pianisten, den die Kritik bereits seit den fünfziger Jahren feiert, wird das Orchester in allen Medien zur dauerhaften Größe. Unter Jankowskis Leitung tritt das RTO bei den Fernsehsendungen Musik liegt in der Luft (ZDF), Zu Gast bei Horst Jankowski (3SAT), ZDF-Sommergarten, den großen Berliner Bällen, den Großveranstaltungen Mit RIAS in die Ferien vor dem Reichstag und den beliebten RIAS-Paraden in der Deutschlandhalle auf. Als erste westdeutsche Big Band unternimmt das Orchester 1989 (also noch in der Wendezeit) eine erfolgreiche Tournee durch die damalige DDR. Auf ausdrücklichen Wunsch der Musiker und des Publikums fördert man parallel zu den kommerziellen Aktivitäten des Orchesters auch stärker den Bigband Jazz. Dass man mit Barry Ross einen hervorragenden Jazz-Arrangeur und -Posaunisten aus Las Vegas in der Band hat, soll sich schließlich auszahlen. Zusammen mit der RIAS-Jazzredakteurin Barbara Rüger (Big Barbara) wird er Initiator und musikalischer Leiter vieler erfolgreicher Jazz-Konzerte und Jazz-Rundfunkproduktionen, die noch heute internationale Anerkennung finden.

1994

Der RIAS als Rundfunkanstalt wird im Zuge der Wiedervereinigung aufgelöst. Die RIAS BIG BAND wird gemeinsam mit vier anderen Ost- und Westberliner Rundfunkklangkörpern in die neu gegründete Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH übernommen.

1995

Mit dem renommierten Jazz-Posaunisten und Bandleader Jiggs Whigham als neuem Chefdirigenten wird der Schwerpunkt wieder auf die Pflege eines breiten Spektrums an Bigband-Jazz. Whighams Biographie ist vom Jazz geprägt wie kaum eine andere: bereits im Alter von 17 Jahren spielte er als Solist im Glenn Miller Orchestra, er ließ sich, nachdem er einige Zeit Mitglied im Orchester Stan Kentons war, als Studiomusiker in New York nieder und ging schließlich 1965 nach Köln, wo er Soloposaunist im Orchester von Kurt Edelhagen und Dozent an der Musikhochschule wurde. Im Rahmen des künstlerischen Neuanfangs wird das Orchester in RIAS Big Band umbenannt und ein weiteres Mal zu einer international anerkannten Größe. Unvergessen dabei die Konzerte im Max Beckmann-Saal und die TV-Produktionen für 3SAT A Tribute to....

1998

Die RIAS Big Band feiert 50jähriges Bestehen. Die Jubiläumssaison führt das Orchester gemeinsam mit der BBC Big Band durch ganz Deutschland. Im Sommer wird die Band zum renommierten Jazz Baltica Festival eingeladen, wo sie gemeinsam mit dem legendären Pianisten Dave Brubeck auftritt. Im September schließt die RBB das deutsche Kulturprogramm für die EXPO in Lissabon mit einem großen Konzert vor 10.000 begeisterten Zuschauern ab. Danach folgen weitere Tourneen durch England und Deutschland.

2000

Jiggs Whigham beendet seine Zeit bei der RIAS Big Band, um sich wieder verstärkt seiner Solokarriere zu widmen. Das Orchester arbeitet danach mit verschiedenen renommierten Gastdirigenten wie Peter Herbolzheimer und Jörg-Achim Keller zusammen.

2001

Auf Grund andauernder finanzieller Probleme gliedert die Rundfunkorchester und -Chöre GmbH die RIAS Big Band aus. Wegen der folgenden arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen darf das Orchester zunächst nicht auftreten und muss sogar der Anfrage von Robbie Williams für einen Auftritt bei Thomas Gottschalks Wetten, dass .. ? eine Absage erteilen.

2004

Die RIAS BIG BAND hat sich mit einem Teil der alten und unter Einbeziehung junger hochbegabter Jazz-Musiker reformiert und ist nun als gemeinnützige GmbH organisiert. Die musikalische Leitung hat Jörg Achim Keller übernommen. Unterstützt wird das Orchester durch den Förderverein Freunde der RIAS BIG BAND e.V. und dem neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Im Großen Sendesaal des rbb hat die wieder auferstandene RIAS BIG BAND am 29.05.2004 ihr erstes Konzert gegeben. Das Haus war ausverkauft.





Die RIAS Big Band spielte u.a. mit: Monty Alexander, Carlie Antolini, Charles Aznavour, Josephine Baker, Shirley Bassey, Gilbert Bécaud, Madeline Bell, Tony Bennett, Ray Brown, Dave Brubeck, Charlie Byrd, Conte Candoli, Jeff und John Clayton, Natalie Cole, Ray Conniff, Keith Copeland, Sammy Davis jr., Buddy de Franco, Robin Eubanks, Georgi Fame, Alan Farnham, Peter Fessler, Herb Geller, Astrud Gilberto, Stéphane Grappelli, Juliette Greco, Benny Green, Allan Harris, Deborah Henson-Conant, Red Holloway, Harald Juhnke, Greetje Kauffeld, Geoff Keezer, Pete King, Hildegard Knef, Lee Konitz, Rolf Kühn, Ute Lemper, Dennis Mackrel, Claire Martin, Al Martino, Hendrik Meurkens, James Morrison, Gerard Presencer, George Roberts, Claudio Roditi, Randy Sandke, Lalo Schifrin, Helen Schneider, Bud Shank, Helen Shapiro, Paul Kuhn, Hugo Strasser, Max Greger, Clark Terry, Jean Toots Thielemans, Caterina Valente, Sylvia Vrethammar, Bill Watrous, Helmut Zacharias u.v.a. mehr.
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